Selten findet man wohl einen Ort, in dem nationalsozialistische und sowjetkommunistische Gestaltung so zusammenfließen wie in der von 1937 bis 1939 als Kavallerie- und Panzertruppenschule erbaute Kaserne Krampnitz, die die zu klein gewordene Kavallerieschule in Hannover ersetzte. Die genaue Anzahl der Einrichtungen auf dem 120 Hektar großen Gelände läßt sich schwer abschätzen, es lassen sich aber mindestens 70 bis 80 Gebäude und Fundamentreste zählen. Von 1945 bis zu ihrem Abzug Anfang der Neunziger wurde die Kaserne von der Sowjetarmee benutzt, die das Gelände durch einige Plattenbauten ergänzen ließ. Seit 1994 liegt das Gelände brach, der jetzige Eigentümer und die Stadt Potsdam sind sich über die weitere Nutzung nicht ganz einig; einige der ehemaligen Familienhäuser für Offiziere wurden offensichtlich von dem Gelände getrennt und sind heute Einfamilienwohnhäuser. Markant ist der ehemalige Haupteingang mit dem knapp 50 Meter hohen Wachturm und dem sich dahinter anschließenden Offizierskasino – im nächsten Post zu sehen – in dem aufgrund seiner Architektur und Einrichtung Filmsequenzen von „Enemy at the Gates“, „ Mein Führer“ und „Inglorious Basterds“ gedreht wurden.
12. Oktober 2012
11. Oktober 2012
Landesklinik Teupitz
In den Jahren zwischen 1905 bis 1908 wurde dieses Psychiatriekrankenhaus aus 28 einzeln stehenden Gebäuden mit deutlichen Jugendstileinflüssen als autarke Einrichtung erbaut. Im ersten Weltkrieg diente es zum ersten Mal als Militärlazarett, danach wieder als sogenannte Landesirrenanstalt; Anfang der Dreißiger Jahre lebten hier 1.660 Patienten, Anfang der Vierziger Jahre war die Klinik der Tötungsanstalt Bernburg untergeordnet, in der nach den nationalsozialistischen eugenisch-rassischen Vorstellungen im Rahmen der Euthanasie-Aktion „T4“ als unwertes Leben definierte geistig und körperlich Behinderte, Geisteskranke und als asozial eingestufte Personen vernichtet wurden, von denen mehr als 1.500 aus Teupitz kamen. Einige Gebäude wurden nach dem Krieg als psychiatrische Anstalt wiedereröffnet, der größte Teil jedoch in ein sowjetisches Militärkrankenhaus umgewandelt, was die durchgängig kyrillische Beschriftung erklärt. Seit dem Abzug der russischen Streitkräfte nach der Wiedervereinigung und dem Neubau der psychiatrischen Klinik 1997 stehen die Häuser leer, das Gelände ist aufgrund seiner Abgeschiedenheit kaum von Vandalismus betroffen, die meisten Schäden sind auf natürliche Verfall zurückzuführen und die einstige Parkanlage hat sich inzwischen in ein dichtes Waldgelände verwandelt, in dem Rehe und Wildschweinrotten unterwegs sind.
21. September 2012
Bärenquell Brauerei
In Niederschöneweide steht die 1882 als Brauerei Borussia gegründete Brauereianlage, die 16 Jahre später von der Schultheiß-Brauerei aufgekauft und in der DDR erst als VEB Schultheiß-Brauerei Niederschöneweide fortgeführt, dann in die VEB Berliner Brauereien eingegliedert und in Bärenquell-Brauerei umbenannt wurde. Auch dieser Betrieb ging nach der Wende erst in die Hand eines westdeutschen Unternehmens, bis die Produktion 1994 eingestellt wurde.
Schon von weitem macht die Anlage den Eindruck eines hinter einer – mit Zinnen und Wehrtürmen befestigten – Mauer gelegenen Schloßes, da ein Großteil der Gebäude zwischen 1882 und den Zwanziger Jahren in den historisierenden Stilen der Neugotik und der Neorenaissance, später auch im Stil des Expressionismus´ erbaut wurden.
Die Anlage verfällt stark und scheint trotz der einzigartigen Architektur keinen besonderen Bestandsschutz zu genießen: Das Gelände gilt wie viele andere auch für eine Reihe der „Besucher“ zur Zerstörung freigegeben; so kann man auf älteren Bildern im Netz sehen, daß noch vor wenigen Jahren die komplett zerstörten Glasfassaden in Ordnung waren, in den Gebäuden werden immer wieder Brände gelegt. Von Metalldieben wurden ganze Treppen und Geländer abgesägt und entfernt, der Eigentümer scheint sich nicht besonders um den Erhalt zu kümmern, und der Bezirk Treptow-Köpenick plant Medienberichten zufolge, einen Teil des Ensembles aus dem Denkmalschutz zu entlassen, um durch den Abriss Platz für die Errichtung eines Baumarktes zu schaffen.
Abonnieren
Posts (Atom)






















































